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Anatomie des Schwertes

Aufbau eines Schwertes

Ein Schwert ist kein Stück Metall mit Griff, sondern ein Hebelsystem, in dem jedes Teil eine Aufgabe hat. Im Folgenden die Namen der Teile, ihre Funktionen und die Einteilung in Arten — ohne Mythen über Blutrinnen.

POB · 12.0 cm
03 / 07Weniger Masse

Hohlkehle

Wozu es dientSie nimmt Material dort weg, wo es wenig zur Steifigkeit beiträgt.

Eine längs verlaufende Aushöhlung, in die Klinge geschmiedet oder geschliffen. Keine „Blutrinne” — sie nimmt Masse aus der Mitte des Querschnitts und lässt die Steifigkeit an den Schneiden. Das Schwert wird leichter, nicht schwächer.

Lexikon

Die Teile des Schwertes der Reihe nach

Klinge

lamina

Die Klinge ist der ganze stählerne Teil von der Parierstange bis zur Spitze. Das einzige Stück, das sich nicht austauschen lässt, ohne dass ein anderes Schwert daraus wird.

Die Klinge ist nicht flach. Im Querschnitt ist sie linsenförmig, rautenförmig oder sechseckig, und ihre Dicke nimmt zur Spitze hin ab. Diese Verjüngung entscheidet, ob ein Schwert haut oder sticht — und ob es sich leicht anfühlt oder nach vorn zieht.

Hohlkehle

fuller

Eine längs durch die Klingenmitte laufende Aushöhlung — je nach Typ von der halben Länge bis fast an die Spitze. Keine Blutrinne: Diese Legende hat mit dem Handwerk nichts zu tun.

Die Hohlkehle nimmt Masse dort weg, wo sie nicht arbeitet, also aus der Mitte des Querschnitts, und lässt Material an den Schneiden. Das Schwert wird leichter, nicht schwächer. Dasselbe Prinzip wie beim Doppel-T-Träger.

Spitze

cuspis

Das stechende Ende der Klinge. An ihrer Form lässt sich ein Schwert am leichtesten datieren: Je später der Typ, desto schärfer verjüngt die Spitze.

Das ist keine Mode, sondern eine Antwort auf die Rüstung. Als die Platte das Kettenhemd verdrängte, reichte der Hieb nicht mehr, und man suchte die Lücken — dafür braucht es eine Spitze, steif wie eine Ahle.

Parierstange

cruciata

Die Querstange zwischen Klinge und Griff. Sie schützt die Hand und erlaubt, die gegnerische Waffe im Band aufzunehmen.

Eine kurze Parierstange kannten schon römische Spathae und Wikingerschwerter; der Bruch war ihre Verlängerung im 11. Jahrhundert. Die Hand konnte endlich vor die Schildlinie — kein anderes Detail hat das Fechten so verändert. Der Querschnitt ist achtkantig oder rechteckig, die Arme gerade, verjüngt oder zur Klinge hin gebogen.

Griff

manubrium

Ein Holzkern auf der Angel, mit Leder bezogen und mit Riemen oder Draht umwickelt. Der Griff ist das Teil, das sich am schnellsten abnutzt und am häufigsten erneuert wird.

Seine Länge, nicht die der Klinge, gibt dem Typ den Namen: Einhänder, Anderthalbhänder oder Zweihänder.

Knauf

pomum

Das am Ende der Angel vernietete Gegengewicht. Der Knauf verschiebt den Balancepunkt näher zur Hand — ohne ihn würde selbst eine leichte Waffe die Hand nach vorn ziehen.

Die Form ist ein Datierungshinweis, der der Spitze kaum nachsteht: Scheibe, Paranuss, mehrlappiger Wikingerknauf, Kegelstumpf. Oakeshott hat darauf eine eigene Typologie aufgebaut.

Angel

tang

Die im Griff verborgene Verlängerung der Klinge, abgeschlossen mit einem auf dem Knauf verbreiteten Niet. Das einzige Teil, das man nicht sieht und von dem abhängt, ob das Schwert überhaupt zusammenhält.

In einer guten Konstruktion läuft die Angel durch den ganzen Griff. Schwerter mit verkürzter, in den Griff geklebter Angel brechen genau dort beim ersten kräftigen Hieb — und taugen deshalb zu nichts als zum Aufhängen.

Scheide

vagina

Ein mit Leder bezogener Holzkern, am Ende ein stählernes Ortband, an der Mündung ein Beschlag. Die Scheide schützt die Schneide und dient dem Tragen, nicht der Aufbewahrung.

Leder hält Feuchtigkeit und enthält Gerbstoffe, also frisst sich ein monatelang in der Scheide gelagertes Schwert genau dort an, wo man es nicht sieht.

Häufig gefragt

Kurze Antworten

Aus welchen Teilen besteht ein Schwert?
Ein Schwert hat zwei Hauptpartien: die Klinge, also den stählernen Teil von der Parierstange bis zur Spitze, und die Montierung — Parierstange, Griff und Knauf. Im Griff läuft die Angel, die auf dem Knauf vernietete Verlängerung der Klinge. Zum Ganzen kommt die Scheide.
Was ist der Unterschied zwischen Klinge und Blatt?
Keiner von Belang. „Blatt” wird umgangssprachlich für den flachen Teil der Klinge gebraucht; in technischen Beschreibungen und Typologien spricht man von der Klinge.
Wozu hat ein Schwert eine Hohlkehle?
Die Hohlkehle nimmt Masse aus der Mitte des Klingenquerschnitts und lässt Material an den Schneiden. Das Schwert wird dadurch leichter bei gleicher Steifigkeit. Sie Blutrinne zu nennen, ist ein Mythos ohne Beleg in den Quellen.
Wie unterscheidet sich ein Einhänder vom Anderthalbhänder?
Durch die Länge des Griffs, nicht der Klinge. Der Einhänder hat einen Griff für eine Hand und wird mit Schild geführt. Der Anderthalbhänder hat einen Griff, der lang genug ist, um die zweite Hand dazuzunehmen — daher der zweite Name: Bastardschwert.
Was ist die Spitze?
Das stechende Ende der Klinge. Je später der Schwerttyp, desto schärfer verjüngt sie sich — eine Antwort auf die Verbreitung des Plattenharnischs, in dem man Lücken suchte, statt zu hauen.