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Waffenkammer

Langschwerter und Anderthalbhänder

Das Langschwert, auch Anderthalbhänder oder Bastardschwert: ein Griff lang genug für die zweite Hand, eine Klinge von 85–100 cm. Das Schwert, das das 15. Jahrhundert prägte.

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AlleAnderthalbhänder
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Typische Maße

Das vielseitige Ritterschwert der Fechtbücher von Liechtenauer und Fiore dei Liberi: fließende Hiebe und steife Stiche, die Lücken in der Rüstung suchen.

Typische Länge
115–130 cm
Typische Masse
1,3–1,8 kg
Balance (POB)
7–12 cm
Typologie
Oakeshott XIIa–XVIII
Epoche
13.–16. Jh. · die Fechtbücher
Klingenquerschnitt
Rautenförmig oder abgeflachtes Sechseck

Langschwert, Bastardschwert, Anderthalbhänder – was die Namen bedeuten

Alle drei Namen beschreiben dieselbe Familie. „Langes Schwert“ ist der Begriff der deutschen Fechtbücher. Das Bastardschwert – épée bâtarde im Französischen des 15. Jahrhunderts – war „unehelich“: weder Einhänder noch Zweihänder. Anderthalbhänder sagt dasselbe in der Sprache des Griffs: Eine Hand führt, die zweite gibt Kraft.

Manche Historiker reservieren „Bastardschwert“ für Schwerter mit kürzerem Griff, die noch gut einhändig liegen, und nennen Langschwerter jene, die vor allem beidhändig geführt werden. Wir führen sie zusammen, weil die Grenze fließend ist und sich im Handel ohnehin niemand daran hält.

Ein Schwert gegen den Plattenharnisch

Das Langschwert entwickelte sich im 14. und 15. Jahrhundert zusammen mit dem Plattenharnisch. Ein Ritter in voller Rüstung brauchte keinen Schild, die zweite Hand war frei. Die Klingen wurden steifer und spitz zulaufend – Oakeshotts Typen XV und XVIII –, denn die Rüstung musste mit einem Stich in eine Lücke überwunden werden. Im Harnischfechten griff die zweite Hand sogar die Klinge: das Halbschwert.

Aus dieser Zeit stammen die Lehren Johannes Liechtenauers und Fiore dei Liberis, auf denen das heutige historische Fechten (HEMA) aufbaut. Das Langschwert ist dort eine Universalwaffe: Es haut, sticht, bindet und entwaffnet.

Wie man ein Langschwert auswählt

Ein typisches Langschwert ist 115–130 cm lang und wiegt 1,3–1,8 kg, der Balancepunkt liegt 7–12 cm vor der Parierstange – je näher, desto schneller wechselt das Schwert die Linie. Originale dieser Länge wogen meist 1,4–1,6 kg; bei einer schwereren Replik lohnt es sich, das im Kopf zu behalten.

Eine scharfe Klinge ist für die Sammlung und den Schnitttest. Fürs Sparring braucht man ein Trainingsschwert, also ein Federschwert: stumpf, flexibel, mit abgerundeter Spitze.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Langschwert und Zweihänder?
Ein Langschwert lässt sich noch einhändig führen, die zweite Hand hilft nur. Ein Zweihänder ist 135–170 cm lang, wiegt 2–3 kg und wird ausschließlich beidhändig geführt.
Warum heißt es Bastardschwert?
Weil es zwischen den Kategorien steht: weder Einhänder noch Zweihänder. Der Name stammt aus dem 15. Jahrhundert – französisch épée bâtarde – und meint dieselbe Familie wie Langschwert und Anderthalbhänder.
Wie schwer ist ein Langschwert?
Meist 1,3–1,8 kg. Historische Langschwerter von etwa 120 cm wogen am häufigsten 1,4–1,6 kg.
Kann ich ein Langschwert für HEMA benutzen?
Ein scharfes nicht fürs Sparring. Für die Partnerarbeit nimmt man Federschwerter oder stumpfe Schwerter mit mindestens 2 mm dicker Schneide und abgerundeter Spitze. Ein scharfes Langschwert ist für Sammlung und Schnitttest.