Szczerbiec – das Krönungsschwert der polnischen Könige
Der Szczerbiec ist das Krönungsschwert der polnischen Herrscher. Zum ersten Mal wurde er 1320 bei der Krönung Władysławs des Ellenlangen verwendet und begleitete danach jahrhundertelang die Krönungen in der Wawel-Kathedrale. Er ist das einzige erhaltene Stück der alten polnischen Kroninsignien.
Das Schwert selbst entstand höchstwahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert; der Griff ist mit den Symbolen der vier Evangelisten und mit Inschriften verziert. Nach den Teilungen Polens kam es in private Hände, dann in die Sammlung der Eremitage, und kehrte 1928 aufgrund des Friedens von Riga nach Polen zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bis nach Kanada evakuiert, kam 1959 zurück und ist heute in der Kronschatzkammer auf dem Wawel in Krakau zu sehen.
Die Legende vom Schwert Bolesławs des Tapferen
Der Legende nach schlug Bolesław der Tapfere 1018 beim Einzug in Kiew mit dem Schwert gegen das Goldene Tor und kerbte dabei die Klinge – daher der Name Szczerbiec, von polnisch „szczerba“, die Scharte. Eine schöne Geschichte, aber unmöglich: Der Szczerbiec ist Jahrhunderte jünger als Bolesław, und das Goldene Tor wurde höchstwahrscheinlich erst nach seinem Feldzug errichtet – die Nestorchronik verbindet es mit dem Jahr 1037.
Die Legende hat einfach das berühmteste polnische Schwert mit dem berühmtesten Feldzug des ersten polnischen Königs verbunden. Darum bedeuten „Schwert Bolesławs“ und „Szczerbiec“ im polnischen Alltag dasselbe.
Die zwei nackten Schwerter von Grunwald
Am Morgen des 15. Juli 1410, vor der Schlacht bei Grunwald – in Deutschland als Schlacht bei Tannenberg bekannt –, ritten Herolde des Hochmeisters Ulrich von Jungingen ins polnisch-litauische Lager. Sie brachten zwei blanke Schwerter, eines für König Władysław Jagiełło, eines für Großfürst Witold, als Herausforderung zur Schlacht. So erzählt es der Chronist Jan Długosz.
Jagiełło nahm die Schwerter an, und die Schlacht endete mit einer schweren Niederlage des Deutschen Ordens. Die Grunwald-Schwerter wurden in der Schatzkammer auf dem Wawel aufbewahrt, gingen aber nach den Teilungen verloren. Ein Symbol sind sie geblieben – zwei gekreuzte Schwerter zeigt zum Beispiel das Grunwald-Kreuz.
Zawisza der Schwarze
Zawisza der Schwarze von Garbów, Wappen Sulima, ist der berühmteste polnische Ritter des Mittelalters und ein Inbegriff der Treue – auf Polnisch sagt man bis heute „sich auf jemanden verlassen wie auf Zawisza“. Er kämpfte bei Grunwald, ritt Turniere in ganz Europa und fiel 1428 bei Golubac im Kampf gegen die Osmanen.
Sein Schwert ist nicht erhalten. Seinen Namen trägt dafür eines der Schwerter in unserer Waffenkammer – ein Bastardschwert im Stil des 15. Jahrhunderts, der Zeit, in der Zawisza kämpfte.




